Industrie- und Handelskammer der Region Csongrád

Erfolgsbeispiele / Erfolgsbeispiel

Industrie- und Handelskammer der Region Csongrád – CSMKIK
Ungarn
www.csmkik.hu

Einführung des dualen Bildungssystems in Ungarn mit Unterstützung eines europäischen Mobilitätsprojekts

Neue Herausforderungen durch politische Entscheidungen

Die Industrie- und Handelskammer der Region Csongrád hat mehr als 1.200 Mitglieder aus den Bereichen Handel, Industrie und Handwerk. Die Kammer hat ihren Sitz im Südosten Ungarns in der Universitätsstadt Szeged. Sie unterstützt ihre Mitglieder durch ökonomische Analysen, bei der Anbahnung von Geschäftsbeziehungen, durch die Verbesserung des unternehmerischen Umfelds und durch die Koordination der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Darüber hinaus ist die Kammer Teil des Enterprise Europe Network, das speziell kleine und mittlere Unternehmen (KMU) unterstützt. Die Bildungsabteilung der Kammer ist für alle Fragen im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung zuständig. Sie koordiniert, überwacht und zertifiziert die berufliche Ausbildung in den Betrieben.

Im Jahr 2011 hat die ungarische Regierung die Entscheidung getroffen, die Berufsausbildung in Anlehnung an das deutsche duale Ausbildungssystem zu reformieren. Künftig sollte die Ausbildung in einer Kombination von Lernen im Betrieb und in der Berufsschule stattfinden. Die IHK stand vor der Herausforderung, dass die Unternehmen für diese Veränderungen weder ausreichend vorbereitet noch offen waren. Die Unternehmen wussten nicht, wie sie mit dieser neuen Situation umgehen sollten.

Schnelle Reaktion der Kammer zur Unterstützung der KMU

Die Kammer sieht es als ihre Aufgabe, dass Berufsausbildungen auf dem aktuellsten Wissensstand durchgeführt werden. Deshalb haben wir uns entschlossen, die neue Herausforderung mit Hilfe eines ungarisch-deutschen Mobilitätsprojekts anzugehen. Das Projekt wurde durch das EU-Programm Leonardo da Vinci (Programm für lebenslanges Lernen) gefördert.

24 Vertreterinnen und Vertreter von Ausbildungsbetrieben erhielten im Rahmen einer einwöchigen Studienreise einen Einblick in das deutsche duale Bildungssystem. Ziel der Studienreise war es, die deutsche Praxis des dualen Systems in Hinblick auf eine Umsetzung in Ungarn zu prüfen, mögliche Anpassungen des deutschen Systems zu diskutieren und nach innovativen Lösungen für Ungarn zu suchen. Im Rahmen der Studienreise hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, die duale Ausbildung in der Praxis zu erleben. Sie gewannen einen Einblick in neue Ansätze des Lernens von Erwachsenen und in innovative Methoden zur Unterstützung der theoretischen und praktischen Lernprozesse von Auszubildenden. Darüber hinaus standen die Besichtigung einer Berufsschulwerkstatt sowie verschiedene Besuche in Ausbildungsbetrieben auf der Agenda.

Transfer eines Bildungsmodells und konkrete Auswirkungen

Nach diesem Erfahrungsaustausch bewerteten die ungarischen Unternehmen die neu gewonnenen Erkenntnisse und begannen, die für sie passenden Elemente in ihrer beruflichen Ausbildungspraxis umzusetzen. Von Vorteil erwies sich, dass die Teilnehmenden an der Studienreise jeweils Vertreter eines Ausbildungsberufs waren und so nicht nur Reformen implementieren konnten, sondern auch als Multiplikatoren wirkten. Durch die Anpassungen der ungarischen Berufsausbildung an das deutsche duale System wurde die Qualität der Ausbildung in der Region gesteigert. Die praktische Ausrichtung ist jetzt ein fester Bestandteil des Berufsausbildungssystems und immer mehr Unternehmen bieten Auszubildenden die Möglichkeit, in ihrem Betrieb zu lernen.

Europäisierung führte zum Erfolg

Mit Unterstützung des EU-Programms „Lebenslanges Lernen” haben wir einen Einblick in bewährte Praktiken der dualen Berufsausbildung erhalten. Der gemeinsame Erfahrungsaustausch hatte auf unser Vorgehen bei der Implementierung eines dualen Ausbildungssystems weitreichende Auswirkungen. Die Projektreise hat den teilnehmenden Unternehmen Anregungen zu professionellen und innovativen Lösungen vermittelt, zu denen sie sonst keinen Zugang gehabt hätten. „Wir sind davon überzeugt, dass diese besondere Gelegenheit zum Austausch nicht nur den beteiligten Unternehmerinnen und Unternehmern sowie ihren Auszubildenden zugute kam, sondern auch Auswirkungen auf die Ausbildungssituation in der gesamten Region hatte. Durch das neue Ausbildungssystem lernen die Unternehmen ihre Auszubildenden besser kennen. Dadurch entscheiden sie sich immer häufiger, die Auszubildenden zu übernehmen, was auf lange Sicht zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit beiträgt”, kommentiert der Projektmanager des Mobilitätsprojekts der IHK Szeged.