Chiara Palazzetti

Erfolgsbeispiele / Interview

FORMA.Azione, Internationale Projektmanagerin
Italien
www.azione.com

FORMA.Azione ist eine italienische Bildungsorganisation, die in der Erwachsenen- und Berufsbildung tätig ist. Die Organisation ist in Perugia in Umbrien ansässig und beschäftigt 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Seit 1997 bietet FORMA.Azione Fortbildungen an, die von kurzen Formaten zum Erwerb von Grundkenntnissen bis hin zu Postgraduierten-Programmen in Vollzeit reichen. Chiara Palazzetti ist bei FORMA.Azione eine der internationalen Projektmanagerinnen.

Projektteam: Wie verstehen Sie persönlich den Begriff „Europäisierung“ und wie stellen Sie sich die Umsetzung in Ihrer Organisation vor?

Chiara Palazzetti: Für mich ist Europäisierung ein Prozess, durch den eine Gesellschaft auf allen Ebenen – von der Regierung bis hin zum einzelnen Menschen – ihre Politiken und Aktivitäten auf der Grundlage der gemeinsamen europäischen Rahmenbedingungen überarbeitet. Für uns bei FORMA.Azione bedeutet Europäisierung, europäische Trends und Strategien bewusst in unserer Arbeit einzubeziehen und eine breitere Perspektive einzunehmen, wenn wir unsere Projekte und Bildungsangebote planen.

Projektteam: An welchen europäischen Aktivitäten ist FORMA.Azione beteiligt?

Chiara Palazzetti: Zuerst hat FORMA.Azione finanzielle Unterstützung aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) und dem Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (EFRE) zur Umsetzung lokaler Projekte in der Region Umbrien erhalten. Im Jahre 2009 haben wir unser erstes transnationales Kooperationsprojekt gestartet. Das war so etwas wie die Initialzündung für uns und hat unsere Geschäftsleitung dazu bewegt, nach weiteren transnationalen europäischen Möglichkeiten zu schauen. Seit 2011 beteiligen wir uns an den EU-Bildungsprogrammen. Aktuell führen wir, gefördert durch „Erasmus+“, Mobilitätsprojekte (Leitaktion 1) und Strategische Partnerschaften (Leitaktion 2) durch. Darüber hinaus haben wir im Rahmen der sogenannten „Zentraleuropäischen Initiative“ eine Zusammenarbeit mit der Ukraine begonnen.

Projektteam: Hat Ihre Organisation eine Europäisierungs- oder Internationalisierungsstrategie?

Chiara Palazzetti: Wir sind eine kleine Organisation. Unsere Internationalisierungsstrategie ist das Ergebnis eines internen Diskussionsprozesses, der von unserer Unternehmensleitung vorangetrieben wurde. Unsere Ziele und Prioritäten sind ganz klar: Wir stärken einerseits unsere existierenden Partnerschaften, andererseits schauen wir kontinuierlich nach neuen europäischen Partnern. In beiden Fällen bewerten wir die Qualität der Beziehung zu unseren Partnern höher als die Quantität der Partnerschaften.

Projektteam: Was sind die größten Herausforderungen, denen sich Ihre Organisation in Ihrer europäischen Arbeit stellen musste?

Chiara Palazzetti: Wir haben verstanden, dass wir reichlich Zeit investieren und über viele Fähigkeiten verfügen müssen, um dauerhafte Beziehungen zu ausländischen Organisationen aufzubauen. Es gibt unterschiedliche Kulturen, unterschiedliche Arbeitsansätze und unterschiedliche Bildungssysteme. Wir mussten diese Unterschiede erst besser kennenlernen, bevor wir richtig mit der geplanten Zusammenarbeit beginnen konnten. Darüber hinaus mussten wir unsere Sprachkenntnisse verbessern.

Projektteam: In welchen Bereichen war FORMA.Azione nicht gut auf die Anforderungen der europäischen Arbeit vorbereitet? Welche Anpassungen mussten vorgenommen werden?

Chiara Palazzetti: Zunächst einmal mussten unsere Organisationsstruktur und die Kompetenzen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Anforderungen der neuen transnationalen Arbeit angepasst werden. Durch die Einstellung von drei neuen Kollegen, zu denen auch ich gehöre, wurde ein internationales Team aufgebaut. Unser Führungsteam hatte zu Beginn keine internationalen Arbeitserfahrungen und musste sich sowohl Sprach- als auch neue Managementkompetenzen aneignen, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Darüber hinaus mussten wir unsere internen Arbeitsprozesse verändern. Wir haben unser Projektmanagement so angepasst, dass nur noch ein Mitarbeiter bzw. eine Mitarbeiterin für den gesamten Projektzyklus verantwortlich ist. Unser Qualitätsmanagementsystem inklusive unserer internen Prozesse wurde den internationalen Anforderungen entsprechend angepasst, ebenso die Art und Weise unserer Kommunikation. Um ein Beispiel zu nennen: Skype-Gespräche mit internationalen Partnern waren bisher nicht im Rahmen unseres Qualitätsmanagementsystems geregelt. Weitere, oftmals kleinere Anpassungen waren nötig, um einerseits die internationalen Arbeitsprozesse für unser internes Verwaltungsteam überschaubar zu gestalten und andererseits dafür zu sorgen, dass wir effizient mit unseren transnationalen Partnern kommunizieren können.

Projektteam: In welchen Bereichen Ihrer Organisation hatte die Europäisierung bislang die größte Wirkung?

Chiara Palazzetti: Wir haben unser Fachwissen und unsere Dienstleistungen verbessert. Unsere Bildungsangebote sind eindeutig innovativer geworden. Zu bestimmten Themen wie Qualitätssicherung oder peer review haben wir uns in Umbrien zu einer bekannten Größe entwickelt. Andere Berufsbildungsorganisationen in der Region lernen jetzt von uns. Wir sind zwar noch immer Wettbewerber, aber sie kommen dennoch, um von unserem Fachwissen zu profitieren. Die Tatsache, dass wir zusammen mit der Stadt Perugia den ersten Eurodesk in der Region Umbrien managen, bestätigt unsere positive Entwicklung. Eurodesk zielt darauf ab, Informationen zu transnationalen Mobilitäten im Bildungsbereich zu verbreiten.

Projektteam: Wo sehen Sie die europäische Arbeit Ihrer Organisation in der Zukunft?

Chiara Palazzetti: Ich hoffe, dass wir auf der europäischen Ebene weiter wachsen, unsere Kompetenzen in bestimmten Themenbereichen ausbauen und unsere Beziehung mit unseren Partnern festigen. Wir möchten ein Vorbild für EU-Kandidatenländer und EU-Nachbarregionen werden. Aus diesem Grund führen wir momentan ein Projekt zum Aufbau von Kapazitäten in der Ukraine durch.

Projektteam: Welchen Rat geben Sie anderen Organisationen, damit ihnen ihr Europäisierungs- oder Internationalisierungsprozess besser gelingt?

Chiara Palazzetti: Es ist ein MUSS, in die Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu investieren. An internationalen Veranstaltungen teilzunehmen ist ebenfalls sehr hilfreich, um Organisationen aus anderen Ländern kennen zu lernen. Aber der wichtigste Rat ist vielleicht: Seien Sie bereit, Ihre „Komfortzone“ zu verlassen und auch einmal Fehler zu machen – manchmal sogar täglich – weil Fehler zum Lernprozess dazugehören. Durch Fehler entwickeln wir uns weiter und das führt uns letztendlich zum Erfolg. Mal keine Fördermittel zu erhalten ist dagegen kein großes Problem: Das kann Sie zwar für einige Tage entmutigen, es liefert Ihnen aber auch den nötigen Antrieb für den nächsten Versuch.